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Über die Teufelsbibel (Codex Gigas) aus dem 13. Jahrhundert

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| Der Teufel wird hier
dargestellt, allein, in einer leeren Landschaft, umrahmt von zwei
großen Türmen. Er hat nur vier Finger und Zehen und trägt ein
Hermelin Lenden-Tuch. Das Fell des Hermelins wurde stets als
besonders wertvoll erachtet, weshalb diese Tiere lange Zeit gejagt
wurden. Hermelin steht in der Regel im Zusammenhang mit Mitgliedern
des Königshauses, und seine Verwendung hier betont den Teufel als
"Prinz der Dunkelheit". |
Das Buch "Die Teufelsbibel" steht in dem Ruf, das
komplette geheime Wissen seit Beginn der Schöpfungsgeschichte zu
enthalten. In der Fachwelt lautet die wissenschaftliche Bezeichnung des
Buches mit der großen berühmten Illustration des Teufels "Codex Gigas".
Die Teufelsbibel oder der Codex Gigas wurde wahrscheinlich im ersten
Drittel des 13. Jahrhunderts im Benediktinerkloster Podlasic auf Pergament
verfasst. Das ganze Buch ist in Latein geschrieben. Es enthält unter
anderem sogar das Alte und das Neue Testament. Das Werk gilt als die
größte Handschrift des Mittelalters mit ca. 90 cm Höhe, 50 cm Breite, fast
75kg schwer. Daher auch die Bezeichnung "Codex Gigas". Gigas, griechisch
für „riesig“.
Im Jahre 1594 wurde es dem Kaiser Rudolph II.
geschenkt. Rudolf II. (* 18. Juli 1552 in Wien; † 20. Januar 1612 in Prag)
war von 1576 bis 1612 Kaiser des Heiligen Römischen Reichs. Es heißt, er
habe seit den 1590er Jahren an Depressionen gelitten. Rudolfs Interesse
galt vorwiegend den Künsten und Wissenschaften seiner Zeit. Seine
Kunstsammlung ist legendär und war die größte ihrer Zeit. Großzügig
förderte Kaiser Rudolph II. die Künste, kaum geringer war sein Interesse
an den Wissenschaften: Tycho Brahe und Johannes Kepler, die neben Galileo
Galilei die bedeutendsten Astronomen ihrer Zeit waren, fungierten am
Prager Hof.
Außerdem beschäftigte er Schwarzkünstler,
Nekromanten (Totenbeschwörer) und Alchimisten. Diese Gruppierungen hatten
der Teufelbibel schon immer besonders große Aufmerksamkeit geschenkt. Die
Anziehungskraft dieses Buches ergibt sich wohl aus der teuflischen Aura,
die es umrankt. Auf der Seite 290 findet sich ein grüngesichtiger,
doppelzüngiger, grinsender Teufel. Das Bild des Teufels ist die
berühmteste Abbildung in Teufelsbibel, und es ist auch der Grund für den Namen
des Werkes. Porträts des Teufels kommen in der mittelalterlichen Kunst
häufig vor, aber dieses hier im Codex Gigas ist einzigartig, denn es zeigt
ihn allein und besetzt eine komplette Seite.
Es rankt sich eine düstere Legende um den Codex Gigas: Denn alle 320 eng mit Buchstaben geschriebenen Pergamentseiten
wurden von ein und derselben Person verfasst! Acht Seiten aus dem Buch
wurden nachträglich aus unbekanntem Grund entfernt. Man war der Meinung,
diese enorme Schreibleistung könne ein einzelner Mensch nicht vollbringen.
So entstand die Vermutung und der Mythos, der Teufel selbst habe das Manuskript verfasst.
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Aufnahme von 1906 mit
der Teufelsbibel |
Der Vermerk im Buch "Hermannus monachus inclusus",
was übersetzt heißt: "Mönch Hermann eingemauert", war der Grund für die
Annahme, die Legende und den Mythos, ein Mönch sei seiner Sünden wegen dazu verurteilt worden,
lebendig eingemauert zu werden. Um Buße zu tun, und um der harten Strafe
zu entgehen, habe er in einer einzigen Nacht den Codex verfassen wollen. Als er
jedoch merkte, dieser Aufgabe nicht gewachsen zu sein, habe er Luzifer
höchstpersönlich zu Hilfe gerufen. Luzifer verfasste dann das Manuskript in
teuflischem Tempo. Nebenbei verhöhnte der gefallene Engel Luzifer alle Christenmenschen, indem
er ein ganzseitiges Selbstportrait zwischen die Texte mogelte. Als
Gegenleistung für das Werk verkaufte der Mönch dem Teufel angeblich seine
Seele.
Die Teufelbibel mitsamt der Legende war so
faszinierend, dass sie von vielen Gelehrten studiert wurde. Auch der Autor
Richard Dübell war von der Geschichte begeistert und verfasste einen
historischen Roman mit dem Titel: "Die Teufelsbibel".
Das ungewöhnliche Werk "Ein großes
Buch, welches der Teufel einem vermauertem Mönche gebracht" befindet sich heute in der
königlichen Bibliothek in Stockholm. |