|
Der 4.
Prozesstag
|
 |
|
Daniel Ruda mit
„Nosferatu“-T-Shirt heute im Gerichtssaal |
Im Mordprozess gegen das Satanisten-Ehepaar aus
dem nordrhein-westfälischen Witten haben Zeugen die beiden Gesichter
des Angeklagten Daniel Ruda beleuchtet. Während sein ehemaliger Chef
den 26-Jährigen als "korrekt und pflichtbewusst" schilderte,
beschrieben ihn Bekannte vor Gericht als gewalttätig und unberechenbar.
Auch am Mittwoch traten die beiden bekennenden Satanisten wieder ganz in
Schwarz auf. Daniel trug ein Sweat-Shirt mit einer Szene aus dem
Vampirfilm "Nosferatu".
"Ich habe nie Mängel an Daniel festgestellt. Er hatte in unserem
Betrieb eine Vertrauensstellung", berichtete der Filialleiter eines
Autoteile-Handels in Datteln. Von April 1999 bis Juni 2001 arbeitete der
Angeklagte bei ihm. Das Verhältnis zu seinem Arbeitskollegen "Hacki",
den Daniel nach eigenem Geständnis gemeinsam mit seiner Ehefrau am 6.
Juli vergangenen Jahres durch Dutzende von Stichen und Schlägen
umgebracht haben soll, sei gut gewesen.
Im Laufe der Zeit habe er jedoch an dem 26-Jährigen Veränderungen
bemerkt, sagte der Zeuge. Daniel habe sich immer offener zu Satan
bekannt. Schließlich habe er seinem Chef - einem bekennenden Christen -
sogar angedroht, dass sich beide demnächst in einem Kampf "Gut gegen Böse"
gegenüberstehen würden. Mitte vergangenen Jahres, kurz vor der Tat,
habe Daniel dann gekündigt, weil er nach Transsylvanien gehen
wollte.
Ein 23-jähriger Bekannter sah in Daniel dagegen vor allem einen
Menschen, der in seinem Drang nach Geltungssucht bereit sei, "über
Leichen zu gehen". Dabei sei Daniel, bevor er seine spätere Frau
kennen gelernt hatte, bisweilen sogar "nett und sympathisch" gewesen.
Auf der Feier eines gemeinsamen Bekannten hatte der Zeuge dann jedoch
eine tätliche Auseinandersetzung mit dem damals noch unverheirateten
Satanisten-Paar.
Ein anderer ehemaliger Freund wies zudem darauf
hin, dass der 26-Jährige in Satanistenkreise gerutscht sei, weil er
sich so schneller aus der Neonazi-Szene verabschieden wollte. Daniel
habe immer wieder erklärt, dass er keine Lust zum Leben habe. Mit einem
Amoklauf habe er weltweit für Aufsehen sorgen und dabei erschossen
werden wollen, berichtete der Bekannte im Zeugenstand.
Nach Angaben eines Rechtsmediziners der Uni-Klinik Essen starb das 33-jährige
Opfer durch 66 Messerstiche und Schläge. Das Ehepaar soll auf den Mann
dabei unter anderem mit einem Zimmermannshammer und einer Machete
eingeschlagen haben.
Die in Satanistenkreisen symbolische Anzahl von 66 Schlägen und
Stichen sei jedoch ein Zufallsbefund, erklärte der Pathologe. Außerdem
seien die zahlreichen Verletzungen an den Armen nicht mitgerechnet. In
jedem Fall sei es "sehr unwahrscheinlich", dass alle Wunden dem Opfer im
Stehen zugefügt worden sei.
|