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10.01.2002

Prozess vertagt

 

  

Daniel Ruda im Gerichtssaal

192 Tage der Trennung sind vorbei. Im Schwurgerichtssaal des Landgerichts Bochum, in einem Blitzlichtgewitter und vor vollen Zuhörerbänken, begrüßen sich heute Manuela und Daniel R. Sechs Monate haben sie sich regelmäßig geschrieben, sie aus ihrer Zelle in Gelsenkirchen, er aus dem Gefängnis Bochum. Nur auf die Zeichen der Satanisten mussten sie in ihren Briefen verzichten; der Staatsanwalt hatte Pentagramme und umgekehrte Kreuze verboten. 

Vor dem Bochumer Landgericht begann heute der Prozess gegen das Satanisten-Ehepaar Manuela (23) und Daniel R. (26) - und wurde nach nur zehn Minuten auf kommenden Mittwoch vertagt. Nur die Anklageschrift wurde verlesen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Teufelsanbetern gemeinschaftlichen, heimtückischen Mord im Zustand verminderter Schuldfähigkeit vor. 

"Bestätigt sich der Sachverhalt im Prozess, müssen die Angeklagten neben einer Freiheitsstrafe mit psychiatrischer Unterbringung rechnen, sagte Staatsanwalt Dieter Justinsky nach nur zehnminütiger Verhandlungsdauer. 

 

Manuela Ruda im Gerichtssaal

In der Anklage hatte der Staatsanwalt erklärt, auf Grund einer tief greifenden Persönlichkeitsstörung sei bei den Angeklagten mit weiteren gleich gelagerten Straftaten zu rechnen. Das Satanistenpaar verfolgte die Verlesung der Anklageschrift mit stoischer Ruhe und reagierte nur mit knappen Kopfbewegungen. 

Äußerlich war die Anhängerschaft zum Satanskult nur noch der 23- jährigen Manuela Ruda anzusehen: Schwarze Kleider, schwarz gefärbtes Haar und auf der kahl rasierten rechten Kopfseite ein umgedrehtes Kreuz als okkultes Erkennungszeichen aufgemalt.

Die Angeklagte zeigte im Gerichtssaal Kamera-Teams den gestreckten Mittelfinger. Nach Angaben ihrer Anwältin werde sie aber am kommenden Prozess-Tag Mittwoch nächster Woche ein umfassendes Geständnis ablegen. 

Daniel Ruda wirkte in hellem Jeanshemd eher unauffällig, zeigte als einzige Regung den Journalisten beim Blitzlichtgewitter mit Zeigefinger und kleinem Finger einen "Hörner"-Gruß. Im weiteren Prozessverlauf will er schweigen.

"Sowohl ich, als auch Daniel Ruda sind aber einverstanden, dass die polizeiliche und richterliche Vernehmung in der Hauptverhandlung verlesen wird", sagte sein Verteidiger. 

Ihr und ihrem Mann (26) wird vorgeworfen, im Juli letzten Jahres einen 33-jährigen Bekannten während eines satanistischen Rituals "auf Befehl des Teufels" mit 66 Messerstichen und Hammerschlägen ermordet zu haben.

Das Urteil wird für den 28. Januar erwartet. 

 

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