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Hendrik Möbus über den
Satansmord in Witten
Zur Person Hendrik Möbus:
1993 Mord an
seinem Mitschüler Sandro Beyer im thüringischen Sondershausen
1994 Verurteilung zu acht Jahren Haft
1998 Vorzeitige Entlassung auf Bewährung
1999 Verurteilung wegen der Verunglimpfung Verstorbener und
Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole, Flucht in die USA
2001 Abschiebung aus den USA und Inhaftierung in Deutschland
"Deutschland hat einen neuen "Satansmord". Das "Satans-Paar" Manuela
B.(22) und Daniel R.(25) aus dem Ruhrgebiet soll am 6.Juni 2001 einen
Bekannten, Frank H.(33), grausam ermordet haben. Die Medien befinden
sich seitdem in Jubelstimmung. Jubel? Jawohl, denn diesen Mord hat
man selber angestiftet!
Das "Satans-Paar" auf der Flucht machte Halt in Sondershausen(Thüringen),
und sofort wurde mein Name mit den Beiden in Verbindung gebracht. Ich
möchte klarstellen, dass ich weder Manuela B. noch Daniel R. kenne. Ich
bin kein "Satanist" und pflege auch keinen Umgang
mit "Satanisten". Es verwundert mich jedoch nicht, dass die Beiden mit
meiner Person offenbar vertraut sind.
Seit Mitte Mai 1993 gibt es eine ununterbrochene Dauerberichterstattung
über den "Satansmord von Sondershausen". Ich habe mehrfach, sowohl
privat als auch öffentlich, den angeblichen "satanistischen" Hintergrund
des Todes von Sandro B. dementiert. Die Medien wollten davon
jedoch nichts wissen. Journalisten von Presse, Rundfunk, und Fernsehen
haben wissentlich Falschmeldungen über den "Mordfall Sandro B."
publiziert -- in gebetsmühlenartiger Wiederholung und wider aller
Vernunft. Der Sensationsjournalismus gelangte im "Satansmord von
Sonderhausen" zur vollen, widerwärtigen, Reife -- und mit dem Mord an
Frank H. wurde diese faule Frucht nun geerntet. Was hat man sich dabei
gedacht als man Sandro B. zu einer posthumen Medienfigur und sein Grab
somit zum Ziel "satanistischer" Anschläge machte? Welchen Zweck
sollte es dienen, den "Mordfall Sandro B." durch zahllose Artikel,
Dokumentationen, Filme und Bücher bis in alle Ewigkeit zu glorifizieren?
Frank H., bestialisch ermordet, könnte auf diese und andere Fragen wohl
eine Antwort geben. Der "Satansmord von Sonderhausen" nahm im Laufe der
Berichterstattung immer groteskere Züge an. Die Täter wurden von den
Medien zu "Kultfiguren" erkoren. Richter, Staatsanwälte,
Pfarrer, Sozialarbeiter und andere Profilneurotiker meldeten sich "zu
Wort". Was man sagte war belanglos, solange wie man nur von den Medien
zitiert wurde. Und nach mehr als acht Jahren hat der "Mordfall Sandro
B.", über den sensationslüstern berichtet wird, überhaupt keine
Ähnlichkeit
mehr zu realen Geschehen.
Doch Manuela B. und Daniel R. sahen nur die Schlagzeilen und hörten nur
die Phrasen, in ständiger und sich in Wahnsinn stetig steigender
Wiederholung, Ganz offensichtlich erzielte diese Beeinflussung einen
mörderischen Effekt. Das Satans-Paar" fühlte sich angespornt, dem
"Satansmörder von Sondershausen" den Rang abzulaufen. Sie handelten
sowohl in der Gewissheit, von den Medien gefeiert zu werden, als auch in
der Hoffnung, den "Mordfall Sandro B." übertrumpfen zu können.
Angefeuert vom unablässigen Spektakel um den "Satansmord von
Sonderhausen", und offensichtlich geisteskrank, wollten Manuela B. und
Daniel R. ebenfalls bundesweit Aufmerksamkeit erlangen. Sie wussten,
dass ihr Fall vom Sensationsjournalismus vereinnahmt würde -- denn sie
haben ja gesehen und gehört, wie aus dem Tod eines Schülers in
Sondershausen einer der "Größten Kriminalfälle" in der Geschichte der
BRD entstanden ist -- den Medien sei Dank! Ich verabscheue den Mord an
Frank H. Doch mir ist klar, das ungeachtet aller Angaben zum Tatmotiv
Frank H. kein Opfer für den "Satan" gewesen ist. Nein, Frank H. ist
ein Opfer für den Sensationsjournalismus. Und ich verabscheue zutiefst,
dass dieses Opfer nur allzu gerne angenommen wird. "
Hendrik Möbus
24.Juli 2001
Batavia - NY
U.S.A.
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